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Zeckenborreliose (Lyme Disease) bei Hund und Pferd

Einleitung

Die durch die Spirochäte Borrelia (B.) burgdorferi verursachte Borreliose ist eine weltweit verbreitete, durch Zecken übertragene Infektion bei Menschen, Vögeln, Wild- und Haustieren, besonders bei Hunden und Pferden. Da über das Krankheitsbild, die Häufigkeit und die Möglichkeiten der Therapie der Borreliose beim Pferd bislang auch in einschlägigen Lehrbüchern noch sehr wenige Angaben zu finden sind, ist Ziel der vorliegenden Arbeit, diesbezüglich eine aktuelle Literaturübersicht über die bisherigen Erkenntnisse zu geben sowie eigene Ergebnisse vor diesem Hintergrund darzustellen.

Literatur

Die Überträger der Borrelien sind in Europa die drei Entwicklungsstadien (Larve, Nymphe und adulte Zecke) des Holzbocks (Ixodes ricinus) und in seltenen Fällen auch der Igelzecke (I. hexagonus) (LIEBISCH, 1991), im Nordosten der USA (Connecticut, Staat New York, Nord-Carolina, Rhode Island, Massachussets) Ixodes dammini sowie im Westen der USA (Oregon bis Kalifornien) I. pacificus (BURGDORFER, 1986).
Bei der Verbreitung der Borrelien spielen die Nymphen und die adulten Zecken im Vergleich zu den Larven die wichtigere Rolle. Zeitlich besteht, der Befallsaktivität der Zecken entsprechend, eine saisonale Häufung der Fälle im Sommer und im Herbst.
Aus Deutschland und den Nachbarländern liegen Ergebnisse stichprobenartiger Untersuchungen für bestimmte Gebiete vor. Demnach ist davon auszugehen, daß bis zu etwa 15 bis 20 % der adulten Zecken mit Borrelien befallen sind (LIEBISCH, 1991), wobei die Befallsrate zum Süden Deutschlands hin sowie Österreich, Schweiz und Frankreich weiter zunimmt (KÄSBOHRER und SCHÖNBERG, 1990).

Borreliose wurde erstmals als „Lyme arthritis“ bei Kindern zu Beginn der 70er Jahre als einheitliches Krankheitsbild verstanden und 1977 erstmals beschrieben (STEERE et al., 1977). 1982 isolierten BURGDORFER et al. eine bis dahin unbekannte Spirochäte aus I. dammini. Bald darauf wurde derselbe Typus Spirochäte aus Blut, Haut und Zerebrospinalflüssigkeit von Lyme disease-Patienten isoliert (STEERE et al., 1983; BENACH et al., 1983). Während in USA überwiegend eine von Arthritis gekennzeichnete Borreliose diagnostiziert wurde, mani-festierte sich die Borreliose in Europa überwiegend in Form von schweren Enzephalitiden mit der Folge neurologischer Ausfallserscheinungen.

Borreliose kann sowohl bzgl. des zeitlichen Verlaufs als auch bzgl. der Symptomatik sehr stark variieren.

Beim Menschen werden drei Krankheitsstadien unterschieden:

1. Hautveränderungen in Form des Erythema migrans
2. Gelenkserkrankungen mit wechselnden Arthritiden und Polyarthritiden
3. neurogene Ausfallserscheinungen (Neuroborreliose) bei Befall des Gehirns,
des Rückenmarks sowie der zugehörigen Häute.

Beim Hund können drei Symptomenkomplexe beobachtet werden, die keiner zeitlichen Reihenfolge, vielmehr jedoch einer individuellen Empfindlichkeit unterliegen. Es lassen sich 3 Manifestationskomplexe unterscheiden:

1. Gelenke:
Dies führt zu Arthritis und Polyarthritis mit pathognomonisch wechselnden Lahmheiten, begleitet von intermittierendem Fieber, teils wechselhaft schlechtem Allgemeinbefinden bis Apathie, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust;

2. innere Organe - insbesondere Herz, Leber, Pankreas, Nieren:
Eine Manifestation an diesen Organen führt zu Myokarditis, AV-Block, Hepatomegalie mit deutlich erhöhten Leberwerten bis hin zum Ikterus, Pankreatitis mit erhöhten Pankreasenzymwerten im Blut sowie Nephropathien mit Glomerulo- und Tubulonephritiden;

3. Nervensystem:
Dies hat analog zu den neurologischen Ausfallserscheinungen beim Menschen die Folge von Paresen und Paralysen, was in der Regel von schweren Allgemeinstörungen begleitet wird. (Differentialdiagnostisch ist die neurologische Borrelioseform beim Hund von der Zeckenparalyse zu unterscheiden, bei der weibliche Zecken ein Neurotoxin produzieren, das durch Blockade der Azetylcholinwirkung eine mit Ataxie beginnende aufsteigende Parese der Nachhand bewirkt. Nach Entfernen der Zecken normalisiert sich der Zustand des Hundes innerhalb von 24 Stunden. Bei Unterlassung kann es u.U. zum Tod durch Atemlähmung kommen (ARNDT, 1994).

Über die Borreliose beim Pferd berichteten erstmals MARCUS et al. (1985), die bei 12 von 50 stichprobenartig ausgewählten Pferden aus einem für Borrelia burgdorferi bekanntermaßen endemischen Gebiet im Nordosten der USA durch indirekte Immunfluoreszenz Antikörper gegen B. burgdorferi mit einem Titer von 1 : 8 bis 1 : 2048 feststellten. Aus einem nicht endemischen Gebiet wies im Rahmen eines anderen Screenings an 50 Pferden lediglich ein Tier einen Antikörper-Titer von 1 : 8 auf. Dieser Unterschied in der Anzahl der seropositiven Pferde zwischen der ersten und der zweiten untersuchten Pferdegruppe sowie die Feststellung, daß seropositive Pferde keine agglutinierenden Antikörper gegen potentielle Kreuzreaktionen mit Leptospira spp. hatten, zeigte, 1. daß Pferde in endemischen Gebieten B. burgdorferi ausgesetzt sind und 2. daß die Spirochäten eine Antikörper-Reaktion der Pferde induzieren.

1986 berichteten BURGESS et al. über Arthritis und Panuveitis als Manifestation einer B.-burgdorferi-Infektion bei einem Wisconsin-Pony. Die Borrelien konnten mittels direkter Immunfluoreszenz in der vorderen Augenkammer nachgewiesen werden. Die Karpalgelenke hatten hochgradig degenerative Gelenksalterationen in Form von Synovialepithelproliferationen. Die Synovialmembran und das Serum wiesen B.-burgdorferi-Antikörpertiter von 1 : 1024 auf. Das Pony stammte aus einem Borrelienendemiegebiet in Wisconsin, in dem auch Menschen häufig an Borreliose erkrankten.
Aufgrund dieses Falles untersuchte BURGESS (1988) systematisch Pferde und Kühe, indem Blutproben von solchen Tieren genommen wurden, die unter dem Verdacht einer B.-burgdorferi-Infektion standen. Alle Serum-, Milch-, Kolostrum- und Synoviaproben wurden mittels Immunfluoreszenz auf B. burgdorferi-Antikörper untersucht sowie kulturell angelegt. Die klinischen Befunde aller Probanden wurden dokumentiert. Das serologische Ergebnis wird in Tabelle 1, das kulturelle in Tabelle 2 dargestellt, wobei im positiven Fall die
Antikörpertiter > 1 : 128 waren.

Tab. 1: serologische Untersuchungsergebnisse



Tab. 2: kulturelle Untersuchungsergebnisse



Bei den angelegten Kulturen waren 7 von 156 Kuhserumproben, 2 von 35 Pferdeserumproben, 1 von 14 Kuhsynoviaproben, 0 von 4 Pferdesynoviaproben, 1 von 3 Kolostrumproben, 0 von 44 Kuhmilchproben und 2 von 10 Kuhurinproben positiv.
Sowohl für die Kühe als auch für die Pferde waren die Monate Mai und Oktober diejenigen, in denen die Proben die höchsten Titer aufwiesen.
Aus demselben Endemiegebiet wurden Blutproben von 705 Pferden in den Jahren 1982 bis 1985 mittels indirekter Immunfluoreszenz auf B. burgdorferi untersucht (MAGNARELLI et al., 1988). Die Ergebnisse entsprechen denen von BURGESS (1988), da auch hier IgM-Antikörper in 37 (5.3 %) von 705 Serumproben und IgM- + IgG-Antikörper in 90 (12.8 %) von 705 Serumproben festgestellt wurden.

Aufgrund des serologischen und/oder kulturellen Nachweises von B. burgdorferi sowie der dokumentierten Anamnesen sprechen beim Pferd folgende klinische Befunde für den Verdacht auf eine Borrelieninfektion: in erster Linie einmalige bis sporadische oder rekurrierende Lahmheiten und Gelenkschwellungen, daneben auch Steifheit, Muskelzittern, Hufrehe, Aborte und Fieber, chronischer Gewichtsverlust, Uveitis anterior, neurologische Befunde wie Depression, Verhaltensänderungen, Freßunlust sowie Enzephalitis in chronischen Fällen (BURGESS und MATTISON, 1987; BURGESS, 1988; POPOVIC et al. 1993).
Nicht alle Antikörper-positiven Tiere wiesen auch klinische Symptome auf. Das zeigt, daß B. burgdorferi-Infektionen bei Pferden und Kühen vorkommen und klinische Befunde verursachen können. Die Infektionen traten am häufigsten einen Monat nach dem Einstich der adulten Ixodes dammini-Form auf.

Da Spirochäten aus dem Blut, der Synovialflüssigkeit, dem Kolostrum sowie dem Urin isoliert werden konnten, muß davon ausgegangen werden, daß diese Tiere wiederum ein Spirochätenreservoir für Zecken darstellen, von denen Infektionen anderer Tiere und des Menschen ihren Ausgang per Zecke nehmen können.
Desweiteren konnte auch bei Mäusen und Hunden die Ausscheidung von B. burgdorferi mit dem Urin nachgewiesen werden. Dies ist in bezug auf die oben angesprochenen Nephropathien von Interesse sowie vor allem auch vor dem Hintergrund zu bedenken, daß bei Mäusen, Hunden und Pferden experimentell Kontaktinfektionen nachgewiesen werden konnten, wobei der genaue Übertragungsweg noch unbekannt ist (BURGESS et al., 1986).

Auch aus Großbritannien liegen Berichte über B.-burgdorferi-Infektionen beim Pferd vor (CARTER et al., 1994; HAHN et al., 1996). In den meisten Gegenden besteht eine niedrige Inzidenz seropositiver Pferde, die jedoch in jenen Gebieten anstieg, in denen hohe Inzidenzen für den Mensch und den Hund bestanden, und zwar in Norfolk sowie an der Südküste Englands. Dabei zeigten die Pferde jedoch keine klinischen Symptome, die mit einer B.-burgdorferi-Infektion im Zusammenhang zu sehen waren. Es handelt sich hier wohl überwiegend um eine latente Infektion.

GERHARDS und WOLLANKE (1996) bestimmten den Borrelia-burgdorferi-Antikörpertiter im Serum von insgesamt 232 Pferden mittels Immunfluoreszenz. 153 der untersuchten Pferde waren klinisch gesund, 79 der untersuchten Pferde zeigten Symptome der periodischen Augenentzündung (Uveitis recidiva equi). 48 % aller untersuchten Pferde zeigten positive Antikörpertiter von > 1 : 64. Parallel zum Immunfluoreszenztest wurden 22 Seren mittels Westernblotmethode auf Antikörpertiter getestet. Der Vergleich der Ergebnisse der beiden Untersuchungsmethoden zeigte, daß es keine signifikante Korrelation zwischen der Symptomatik der periodischen Augenentzündung und den erhöhten Antikörpertitern gegen Borrelia burgdorferi (p > 0.05) gab, ebenso bestand keine Korrelation zwischen dem Alter der Pferde und dem Antikörpertiter. Lediglich eine Korrelation war auffällig, und zwar diejenige zwischen der Höhe der Antikörpertiter und dem Untersuchungsmonat (p < 0.05): Höchste Titer wurden im Mai und November festgestellt, d.h. in jeweils demjenigen Monat folgendem, in dem die Aktivität der die Borrelien übertragenden Zecken am höchsten ist.

KÄSBOHRER und SCHÖNBERG (1990) untersuchten Berliner Haustiere mittels indirekter Immunfluoreszenz auf B. burgdorferi. Dabei waren 189 (5.8 %) der Hunde, 194 (24.5 %) der Kühe, jedoch keine der 29 Katzen und keines der 224 Pferde seropositiv. Kühe und Hunde zeigten im positiven Fall einen Titer > 1 : 128. Die gleichen Proben mit einem ELISA untersucht, führte zu einem höher positiven Ergebnis, und zwar waren 10.1 % der Hunde, 16.1 % der Pferde und 60 % der Kühe positiv.

Außer einer gründlichen anamnestischen Diagnostik erscheint auch die Wahl des sichersten serologischen Tests ausschlaggebend für die Diagnose der Borreliose. Wie der Literatur zu entnehmen ist, können Borrelienantikörper mittels Komplementbindungsreaktion (KBR), einem ELISA oder dem indirekten Immunfluoreszenztest (IFT) nachgewiesen werden.
In der humanmedizinischen Borreliendiagnostik wurde eine Kreuzreaktivität zwischen B. burgdorferi- und anderen Bakterien-Antikörpern beschrieben. Falsch positive Immunfluoreszenzergebnisse beruhen daher häufig auf der Reaktion von gegen andere Flagellenproteine diverser Bakterien gerichtete Antikörper mit den spezifischen Flagellenproteinen von B. burg-dorferi.

Material und Methode

Im Rahmen der diagnostischen Routineuntersuchungen gelangten in der Zeit von Januar 1996 bis Juni 1997 174 Blutproben von Pferden, die von niedergelassenen Tierärzten entnommen und eingeschickt worden waren, zur Untersuchung auf Borreliose-Antikörper.

Die Serumproben wurden zunächst mittels KBR getestet. Im Laufe der Zeit wurde diese Methode jedoch überwiegend durch den Immunfluoreszenztest (IFT) ersetzt, da der IFT eine höhere Sensitivität hat als die KBR.
Dabei wurde ein Titer von < 1 : 20 in der KBR bzw. von < 1 : 40 im Immunfluoreszenz-Test (IFT) als negativer Befund gewertet. Ein Titer zwischen 1 : 20 und 1 : 40 in der KBR bzw. > 1 : 40 bis 1 : 80 im IFT ist als grenzwertiger Befund zu interpretieren. Ein Titer von > 1 : 40 in der KBR bzw. > 1 : 80 im IFT ist ein eindeutig positiver Befund.

Ergebnisse

19 % der eingesandten Serumproben wiesen einen eindeutig positiven Befund auf, wie in Abbildung 1 veranschaulicht wird. Dabei wurde anhand der Rohdaten deutlich, daß schwerpunktmäßig bestimmte Ställe besonders betroffen waren, und zwar handelte es sich in diesen Fällen um Pferdehaltungen mit Weidehaltungen, wobei davon auszugehen ist, daß die Weiden endemisch mit Borrelien tragenden Zecken verseucht sind. 27 % der untersuchten Serumproben zeigten immerhin grenzwertige Befunde, d.h. die Pferde müssen mit B. burgdorferi infiziert worden sein. Nur gut die Hälfte (54 %) der untersuchten Pferde wiesen keinen Antikörpertiter auf.

Abb. 1: Borreliose-Gesamtergebnis



Von den 174 eingesandten Proben wurden 35 mittels KBR und 144 mittels IFT getestet, d.h. 5 Proben wurden sowohl mittels KBR als auch mittels IFT untersucht. Abbildung 2 gibt eine Übersicht über die Verteilung der Ergebnisse, die mittels KBR gewonnen wurden, Abbildung 3 zeigt die Verteilung der Ergebnisse im IFT.
Die 5 Proben, die mit beiden Untersuchungsmethoden getestet wurden, zeigen übereinstimmend gleiche Ergebnisse in der KBR und in der IFT.
Insgesamt ist auffällig, daß 18 % (IFT) bis 20 % (KBR) der untersuchten Serumproben eindeutige Antikörper-Titer aufweisen.

Abb. 2: Verteilung der Ergebnisse in der KBR



Abb. 3: Verteilung der Ergebnisse im IFT



In Abbildung 4 ist die Verteilung der positiven Antikörper-Titer dargestellt. Über die Hälfte (57 %) der seropositiven Pferde zeigen IgG-Antikörper-Titer von 1 : 320, darüber noch 4 % Titer von 1 : 640 sowie 8 % Titer von 1 : 1280.

Abb. 4: Verteilung der IgG-Titer im IFT



Tabelle 3 gibt eine Übersicht über diejenigen Einsendebereiche, aus denen die Serumproben zum Zwecke der Untersuchung auf Borreliose eingesandt wurden. Daraus wird ersichtlich, daß von Schleswig-Holstein bis nach Oberbayern Pferde in Kontakt mit Borrelien kommen können, wie dies die grenzwertigen sowie besonders die positiven Titer zeigen.

Diskussion

Die Ergebnisse veranschaulichen, daß Pferde im deutschen Raum Kontakt mit B. burgdorferi haben und im Infektionsfall eine deutliche Immunantwort ausbilden. Bei einer positiven Befallsrate von ca. 20 % sollte folglich auch beim Pferd im Falle von Lahmheiten, die sehr häufig die Untersuchung durch den Tierarzt notwendig werden lassen, an eine mögliche Infektion mit Borrelia burgdorferi gedacht werden.
Bei einer Situation von 26 bis 34 % grenzwertiger Befunde ist daran zu denken, daß diese Pferde entweder latent infiziert sind oder daß die Infektion erst im Anfangsstadium der Immunantwort steht, wobei in dem Falle auch IgM-Antikörper deutlich erhöht sind. Möglicherweise ist aber auch der Titer nach einer akuten Infektion nun wieder im Begriff abzusinken. Der Vorteil des Immunfluoreszenztests liegt in jedem Falle darin, daß IgM und IgG-Antikörper differenziert bestimmt werden können, wodurch eine Aussage über den Zeitpunkt der Infektion möglich ist. Dies ist mit der Komplementbindungsreaktion hingegen nicht möglich. Eine zwischenzeitlich neuere und für die Routine etablierte Methode ist die Testung mittels Immunoblot. Diese Methode zeichnet sich vor allem durch ihre sehr hohe Spezifität aus, die höher ist als diejenige des Immunfluoreszenztests. Beim Immunoblot gibt es eine Ja-Nein-Reaktion, so daß eindeutige Ergebnisse und keine grenzwertigen Befunde resultieren. Eine diesbezügliche Publikation befindet sich in Vorbereitung.
Eine erneute Bestimmung des Titers nach zwei Wochen mittels Immunfluoreszenztest kann durch Bestimmung der Titerhöhe sehr zuverlässige Aussagen über das Infektionsgeschehen oder den Therapieerfolg geben. Grundsätzlich ist davon auszugehen, daß bei einem grenzwertigen Befund das Pferd bereits eine Immunantwort aufgrund einer Infektion mit B. burg-dorferi erkennen läßt. Diese recht hohe Befallsrate stimmt mit dem ebenfalls hohen Durchseuchungsgrad der Zecken mit B. burgdorferi überein, da nach KÄSBOHRER und SCHÖNBERG (1990) in Abhängigkeit von der jeweiligen Gegend in Deutschland eine Befallsrate der Zecken mit B. burgdorferi von bis zu 33 % zu rechnen ist (KAMPITZ und BARK, 1987).

Die Ergebnisse zeigen, daß Pferde in endemischen Gebieten in der gesamten Bundesrepublik Deutschland den Spirochäten B. burgdorferi ausgesetzt sind und daß der Erreger eine Antikörper-Immunantwort induziert. Diese Ergebnisse stimmen überein mit denjenigen von MARCUS et al. (1985).

Für den Pferdepraktiker läßt sich zusammenfassen: Die klinische Diagnose bzw. Verdachtsdiagnose auf eine Infektion mit B. burgdorferi ist schwierig und hängt sehr von einer gründlichen Anamnese und dem Erkennen auch geringgradiger klinischer Befunde ab. Die genaue Hinterfragung des Pferdehalters nach einer möglichen Exposition des Pferdes in einem B. burgdorferi-endemischen Gebiet sowie insbesondere die serologische Untersuchung können die Diagnose absichern.

Literatur

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Tab. 3: positive und grenzwertige Fälle von Borreliose beim Pferd in Deutschland