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MAGENÜBERLADUNG KANINCHEN:

CHIRURGISCHES VORGEHEN

BIRGIT DRESCHER

Eröffnung der Bauchhöhle in der Linea alba unmittelbar sub-xiphoidal beginnend bis Umbilikalregion.

Abbildung 1: Eröffnung der Bauchhöhle in der Linea alba

Der sehr dünnen Bauchdecke mit den darunter häufig aufgegasten und dem Peritoneum anhaftenden Darmanteilen ist Rechnung zu tragen, indem man bespielsweise mit einer runden scharfen Nadel in – und nicht durch – die Linea alba einsticht, selbige damit anhebt und dann mit dem Skalpell eine kleine Inzision vornimmt, kontrollierend, dass Darmwände nicht touchiert/verletzt werden.

Abbildung 2: Fixierung der Linea alba mittels Nadel zum Anheben der Bauchwand

Nach Kontrolle der Inzisionsstelle und Fixierung der Bauchwand mittels Moskitoklemmen wird die Inzision über die gesamte Länge fortgeführt:

Abbildung 3: Fixierung und Anhebung der Schnittkanten mittels Moskitoklemme

Abbildung 4: Vorlagerung des tympanischen Magens

Der in der Regel hochgradig aufgegaste Magen wird vorsichtig vorgelagert, das OP-Feld zum Schutz gegen eventuell auslaufenden Mageninhalt mit Tupfern abgedeckt und in gefäßarmer Region der Curvatura maior der Magen eröffnet.

Abbildung 5: Eröffnung und Entleerung des Magens

Der Inhalt kann mittels Nierenschale aufgefangen werden. Bei sehr festem und viele Haare beinhaltendem Mageninhalt kann mit einer anatomischen Pinzette oder einem sterilen Löffel der Inhalt von der Magenwand abgenommen werden.

Abbildung 6: zäher Mageninhalt mit Haaren

Abbildung 7: fester und klumpiger Mageninhalt mit vielen Haaren

Nach vollständiger Magenleerung werden Fadenzügel ca. 5 mm distal der Schnitt-Enden in der oberen Schicht der Magenwand (Subcutis und Serosa) gesetzt und somit die Inzisionskanten fixiert. Mit einer doppelten einstülpenden Naht mit 4/0 resorbierbarem Faden (bevorzugt Safil Faden-Nadelkombination) wird die Magenwand verschlossen.



Abbildung8: einstülpende, intramurale Nahttechnik

Abbildung: fertiggestellte, doppelt genähte, einstülpende Naht der Magenwand

Abbildung: Dichtigkeitsprobe

Nach Dichtigkeitsprobe mittels Kochsalzlösung wird der Magen reponiert.

Abbildung 11: von links: hochgradig angeschoppter Dünndarmabschnitt, im Zentrum des Bildes festsitzender Fremdkörper, rechts davon normalanatomischer Dünndarm

Bei Lokalisation der Ileusursache im Dünndarm muss die Lokalisation aufgesucht, das Bezoar vorsichtigst mobilisiert und retrograd in den Magen zurück geschoben werden, bevor es über die Magenöffnung entfernt werden kann. Im Falle von Bezoaren oder anderen Fremdkörpern im Colon können diese im Anfangsteil des Colons im Bereich der antimesenterialen Darmseite durch Inzision in den Darm entfernt werden. Die Nahttechnik ist wie oben für den Magen bschrieben.

Abbildung 12: Colonanschoppung wegen Bezoar im C. asc. (Bildmitte)

Abbildung 13: Wundverschluss des C. asc. auf der antimesenterialen Darmseite

Last not least wird die Bauchdecke mit einer ersten U-Heft-Naht und einer zweiten fortlaufenden Naht verschlossen. Die Bauchhaut wird mit Einzelheften versorgt, die Naht mit Fixomull stretch-Pflaster abgedeckt.

Der Patient wird entlassen, wenn Futteraufnahme und physiologische Körpertemperatur gegeben sind. Dies kann unmittelbar post operationem der Fall sein, bei länger bestandenem Ileus unter Umständen auch erst nach 1 bis 2 Tagen. Somit ist die Nachsorge hinsichtlich Fütterung und Temperaturkontrolle von ebensolcher Wichtigkeit wie eine gelungene Operation.

Abb. 1 bis 10 Bernhard Bürkle

Abb. 11 bis 13 Melanie Ernst